Dienstag, 11. november 2008 2 11 /11 /2008 19:54

STRETCH VERBS ( Streckverbs)

„Kannst du dir was schöneres gönnen“, frage ich mich wann das pechrabenschwarze Schicksal unaufhörlich an meiner Fensterscheibe klopft und klopft... und flüstert ganz leise: „Bist du bereit?“ „Ja, bin ich, bin zur allgewaltigste, eiskälteste und  schneiderste  Umarmung bereit.....“ und während meine mir übelwollende Feinde Pläne schmieden, gönne ich mir was, was mir  vom Herzen gefalle. Ist doch keine große Sünde! Die Zeit tickt schon laut...... die Faszination des Wortes hat mich in seinen Bann unwiderruflich eingeflochten für immer und ewig. 

„Ja, du, Unvernunftknäuel, kannst du, kannst du dir was schöneres gefallen lassen, du bist doch FREI, du kannst machen was du willst“. Obwohl Relativität der Freiheit zweifellos bezweifelt sein sollte.

Um die verschleierte Seele eines Volkes zu entschlüsseln muss man in die Sprache akribisch eintauchen und die Stretchverben haben mir den ersten Anstoß dazu gegeben. Mir eigentlich gefallen die sehr, weil da liegt eins von den vielen Rätseln des  Volkes,  obwohl meine neue Stilfibel berät die zu meiden. Und mit den vielen Pronominaladverbien (Umstandsfürwörter), das war die Liebe auf den ersten Blick, nirgendwo hatte ich so was schönes erlebt. Wie durch einen Zauberwald ging ich holpernd, hinkend  durch das Dickicht der Sprache und die waren die echten Stolpersteine, oftmals habe ich so lange vor einem Stein gegrübelt bis mein Kopf zu qualmen anfing. Die schienen mir so rätselhaft, eigentlich die sind das gleiche oder was ähnliches  was im Englischen phrasal Verbs, der Unterschied liegt in Unersetzlichkeit. Urwaldartiges, undurchdringliches, stockfinsterdunkles Dickicht und kein Lichtsträßchen weit und breit.  - so schien mir das Dschungel der Sprache vom Anbeginn, überall eine Falle, Stretchverb, Präfixabreißen, Präfixallmächtigkeit, die Vieldeutigkeit, Synonymreichtum, Wortakrobatik, Sinnbilder, Umgangslexika, Wortungetümen,    etc.  Hinter jedem Baum was mysteriöses, geheimnisvolles, verschleiertes  in diesem Zauberwald. Man stolpert langsam, mühsam durch, tappend, den Weg suchend  wie im Finsternis  und wie besessen, wie ein Schmetterling zum Licht, und dann plötzlich ein Lichtlein aufblitzt, man erblickt die Konturen der Dinger, Geistespräsenz, Sinnreichtum. Sprachsaftigkeit und vieles vieles mehr.

Und dann eines Tages nach fast einer Jahrdekade harter Arbeit begegnet man den Edelmütigtesten der Stadt Frankfurt, und noch mehr – man spricht mit ihm auf Augenhöhe, so ein kleines Stäubchen, von dem schelmischen Ewigkeitswind hierher von Ufers des Baltikums angeweht an Deine Füße,  mit dem Wert weniger als der von einem Schlachtschwein, ein dreifacher Flüchtling, von der Heimat, von den Jägern und vom Schicksal, das wie ein blutdürstiger Hund mit heraushängender Zunge atmet speichelsprühend  mir in den Nacken. Wir duzen uns, sag ich ihm vom ganz unten auf einem Beton-Klotz sitzend: „ Mein allerbester, verehrenswertester und einziger  Freund in dieser Welt, allerliebster Wolfgang, da stehst Du letztendlich nach vielen Peripetien aufgedonnert, majestätisch und stolz und bewundernswert in seinem Baum-Karree,   wie gefällt es dir eigentlich Dein neuer Baum-Hain aus 40 Japanischer Schnürbäume, die Dein Platz verzieren soll?  Keine ordinäre Bäume, sondern aus Japan, Schmetterlingsblütler. Falls Du ein bisschen nach rechts schielen könnte, drüber die Dächer, daneben der Katharina Kirche, wo ab und zu die Lebensabgestoßenen eine warme Malzeit bekommen, da steht Dein berühmter Ginkgobaum, jetzt im herbstlichen Oktobergewand. Es tut mir so leid, dass den siehst Du nicht.  Vielleicht hat die Schnürbäume schon ein Fuß auf Deinem Platz gefasst der Tiefgarage trotzend und 1,5 Meter größer Wurzelraum bewurzelt. Landschaftsarchitektin aus Berlin hat die Hand angelegt, hat die auch Deine Gedichte gelesen, frage ich mich, ist ihr Deine abgründige Naturliebe bekannt? Was weis die von der „stille, reine, leidenlose Vegetation“,  von dem Weinstock, der grüßte Dich morgens und vom uralten, sturmumgestürzten  Wachholderbaum, gehätschelt von Dir auch nach seinem Ableben,  oder dem Ahorn mit schlafendem Pan darunter. Was würdest Du den Freunden Japaner sagen, falls könntest Du es lauthals verlautbaren? Soll ich Dir helfen? Wenn Du ein Auge zudrückst und duldsam mit äußerster Sanftmut mein Geplapper verträgst, dann würde ich sagen: „ Japan ist ein wunderschönes, märchenhaftes, exotisches, orientalisches Land – Kirschbluten, Gartenkunst, Bonsai, Ikebana – das alles ist unbeschreiblich schon, aber was wir hier haben, die Bäume hier – die Wurzel denen wachsen aus Deinem Herzen. Die Welt ist so klein geworden, Frankfurt so groß und schön und Du angesichts der knospenden  Schnürbäume  wahrnimmst  die geishaähnliche Anmut der Bäume, Du der größte unwiderstehlicher Herzensbrecher.“

Ein schattenspendendes Blätterdach soll entstehen mit Kronenbeleuchtung, wird das Dich auch so schützen von den heißen Mittagssonnenstrahlen wie Deine beliebte selbstgepflanzte Bäume mit denen Du so wunderschöne Gespräche hatte,  und der gläserne Geldkasten ist barbarisch auch, stecht einfach ins Auge. Heute saß eine Taube auf Deinem Kopf. Verkündigung?  

Goethe, Schiller, AP

von Dzintra Tunik
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Samstag, 8. november 2008 6 08 /11 /2008 14:52
Pactum cum diabolo


Teuflisches Nonsense

Weit ausholend und mit diabolischer Wucht versetzte mir eines Tages der Höllenherrscher einen Rippenstoß, solcherweise mit seinem Ellenbogen setzte er auch seine behaartzottige Hand ins Spiel, darüber hinaus so kraftstrotzend, dass mir augenblicklich die heile Welt pechschwarz verfärbte und Funken nach allen Seiten sprühte, die mir deinen eitelhaft ausgerastet Brusthaarscheitel  bis zum Hufe erhellte.  „ Zum MIR“, flüchtete er, „du sitzt auf meine Ruhebank, du Satansbraten!“ „ Donnerwetter!!“ Es war das erste Wort, das mir in den Kopf einfiel vor lauter unerwarteter Überraschung. Sagte ich „Wie in Dreiteufels Namen kommst du drauf! ? Mal doch DICH nicht selber an die Wand! Habe ich deine Gesellschaft begeisterungsvoll und bedingungslos genossen und nicht die Bank zum knarren gebracht und das  mehr als 10 Jahre, meistens habe ich an  meinen Schreibtisch gesessen.“  „ The choise is yours – Me, God or Mammon? You see, I`m so noble-minded, ready to make an exception, only in your case, so not always proving the rule.” “Pfui, Teufel!!! Schere dich zum DIR, du Rattenfänge!!! Ich kümmere mich den Teufel darum! Schon  von unseren ersten Fußtritten  auf diesem Boden haben wir beide dich an den Hals geladen, du Seelenjäger, und warst du immer los rundum dieses Pandora Haus!! Deine lasterhafte, gierige Hand hat uns und jetzt mich nachgejagt ohne Unterlass Tag und Nacht, mein ganzes Leben zu einem Posenspiel gemacht. Deine Speichellecker und Helferhelfer lauern auf Schritt und Tritt in Lumpengesindelgestalt, demolieren meine Wohnung, mein Hausrat  und Satansbraten bist du selber, hast du nicht auf meinen Teppichfransen das Wasser mit Katzenduft abgelassen, und wer hat das Bein meines Bettes abgebrochen, meine lieben Pflanzen mit Schildläusen verpestet?  In Tausender destruktiven  Details steckst du, du, du!!! Deinen teuflischen Erfindungen die Phantasie hat keine Grenzen gesetzt. Und jetzt bist du gekommen um  meine Seele in Fetzen ausreißen aus dem noch lebendigem Leib, die willst du in alle Welt zerstreuen wie Lumpenstückchen gegen das Klingende. Jetzt ist Schluss!!! Unfug genug, die Ersehnte siehst du nicht,  wie kannst du auch deine Hörner ohne Spiegel nicht sehen, gleichermaßen,   guck mal, sind die noch da oder schon abgestoßen?   Ich werde dir sogar das Schwarze hinter meine Fingernägel nicht  für kein Geld der Welt verkaufen! So dieses mal sollst du Fliegen Fressen!!  In welcher Hexenküche bedienst du dich, wenn du meine Gesundheit vergiftest und zerstörst? Dieses mal bekommst du noch ein Paar Hörnern aufgesetzt neben deinem Geburtsmuttermal.  So ist es, der Viergehörnter!!! Und was für eine diabolische Ansicht wann ich dich mitsamt deine Anhänger (die pöbelhäften Lumpenprolls)  - durch das fröhliche Dorf treibe! Lettisch – dzit velnu (wortwörtlich -  dich treiben) bedeutet Späßchen machen.  Hat mich heute sehr gefreut auch dein Gefolge auf der Buchmesse zu begegnen, hatte ich gedacht das von den Büchern fürchten euch wie der Satan vom Weihwasser. Deine Großmütigkeit ist zum Kotzen, weil dein Gegenspieler hat auch ein Teufelchen im Laib,  in der Tat ist keineswegs weniger pharisäischer als du, das Fell über die Ohren ziehen und um sein Leben und Taschen  zittern – die Sachen, die sie beide gleichermaßen beherrschen. Kann man Teufel mit Beelzebub, den Obersten  austreiben?? Frage ich dich nicht danach!  Habe ich zu tief in deine Küche hineingeblickt, besser wäre, denkst du, dass ich mein Augenmerk tiefer in die Teufelsbräuflasche eingeworfen hätte? Darauf kannst du warten bis der Eulenschwanz aufblüht!  Deine Ränke haben die ein Paar meine Gesellschafter-Ohrenbläser  in alle Winde zerstreut,  tausend Dank dafür, wer braucht eigentlich Höllenbotschafter?  Und wenn du mich zu dir holst, dann werde ich gerne zur Bruderschaft  mit dir trinken auf Teufel komm `raus!  Wir werden dann Einer des anderen Teufel sein bis du mich auf seine Höllenflamme  in Schutt und Asche gelegt hast. Der zweite ausufernden Dank an dich richte ich auch, weil durch dich bin ich hinter die Wahrheit gekommen  und  dem Gefühl Hass  begegnet, der bisher war mir ein Fremder ein exotische Wort in meinem Wörterbuch,  gegenüber dich und deine Menschengestalt verlorene Gefolgschaft mit angespannten, verzogenen, verklemmten, versteinerten Gesichtern,  der  Siedender,  der lodert jetzt in meiner Seele  und ist vielmals heißer deines Höllenfeuers, deine Höllenflamme kann ihm nicht das Wasser reichen, wenn  die Stunde schlagen wird, mein Freund Wind  zerstreut dann  die Asche auf eine Blumenwiese, ein paar Grashalmehen werden entspringen dem rauschenden, brausenden  Wind raunend: „Wie schon die Welt ist“.

P.S. Unverzeihbar wäre, falls ich    meine liebe Oma in diesem höllischen Zusammenhang nicht erwähnt hätte, die zweifellos jetzt mit deiner Großmutter freundlich schwatzt, die spazierte Barfluss im Schnee, ihr Lieblingsspruch war: „ Sei es Hölle, sei es Sumpf, gesellschaftliches Flair ist alles.“  Wortwörtlich natürlich klingt am besten. Ich bin das Gegenteil davon, gleich habe ich auch einen Spruch kreiert: „ Männer sind wie AUTOREIFEN – megageile, aufgeblasene  Überfahrer, aber ohne PROFIL und an einem Stacheltier werden sie platt.“

von Dzintra Tunik
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